Waldbrände

Wenn Wälder brennen

Warum Waldbrände häufiger werden, welche Rolle das Wetter spielt und wie Vorhersagemodelle bei der Risikoabschätzung helfen.

Feuer braucht Wetter

Waldbrände verbinden viele von uns mit Südeuropa, Kalifornien oder Australien. Doch auch bei uns brennt es regelmäßig: Allein im Jahr 2025 gab es in Deutschland rund 1.200 Waldbrände, die zusammen etwa 2.600 Hektar Wald vernichtet haben. Das ist ein Vielfaches des langjährigen Mittels von gut 800 Hektar pro Jahr. Solche Zahlen entstehen nicht zufällig, denn ob ein Wald brennen kann, entscheidet zu einem großen Teil das Wetter.

Damit ein Feuer entstehen und sich ausbreiten kann, müssen mehrere Zutaten zusammenkommen. Die wichtigste ist trockenes Brennmaterial: Gras, Laub, Nadeln, Totholz. Wie trocken dieses Material ist, hängt direkt von den Wetterwochen davor ab. Bleibt der Regen länger aus, sinkt der Wassergehalt der Streu am Waldboden rapide. Kommen dann noch hohe Temperaturen, trockene Luft und kräftiger Wind dazu, reicht ein einziger Funke.

Der Wind spielt dabei eine doppelte Rolle. Er trocknet die Vegetation zusätzlich aus und facht ein bestehendes Feuer an, indem er ständig frischen Sauerstoff liefert und Glutteilchen weiterträgt. Was wir auf See als frische Brise schätzen, macht an Land aus einem Bodenfeuer schnell einen Vollbrand.

Übrigens ist nicht der Hochsommer automatisch die gefährlichste Zeit. Gerade das Frühjahr wird oft unterschätzt: Die Vegetation vom Vorjahr ist abgestorben und trocken, die Sonne steht schon kräftig am Himmel, und die neue grüne Deckschicht fehlt noch. Ein sonniger, windiger April kann daher brandgefährlicher sein als ein durchwachsener Juli.

Warum die Gefahr steigt

Dass Waldbrände bei uns häufiger zum Thema werden, hat viel mit dem Klimawandel zu tun. Die Temperaturen steigen, Trockenphasen werden länger und intensiver, und seit 2018 häufen sich ausgeprägte Dürrejahre. Forstwissenschaftler haben ausgerechnet, dass sich die Zahl der Tage mit hoher Waldbrandgefahr in Deutschland im Vergleich der Klimaperioden nahezu verdoppelt hat: von im Mittel rund sechs Tagen pro Jahr zwischen 1961 und 1990 auf gut elf Tage pro Jahr zwischen 1991 und 2020.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Gefahr und Schaden. Die betroffene Fläche schwankt von Jahr zu Jahr stark, je nachdem, wie die Wetterlagen fallen. Aber die Grundbedingungen, unter denen ein Feuer überhaupt Chancen hat, verschieben sich messbar in Richtung mehr Risiko. Ein einzelnes Extremjahr beweist noch keinen Trend, die Statistik über Jahrzehnte hinweg dagegen schon.

Wer zündelt? Selten die Natur

So wichtig das Wetter für die Ausbreitung ist, die Zündquelle ist es meistens nicht. Blitzschlag verursacht nur einen kleinen Teil der Brände. Bei knapp der Hälfte aller Waldbrände in Deutschland bleibt die Ursache ungeklärt, gut ein Viertel geht auf Fahrlässigkeit zurück, also weggeworfene Zigaretten, Lagerfeuer oder heiße Katalysatoren über trockenem Gras. Und rund jeder fünfte Brand wird vermutlich sogar vorsätzlich gelegt.

Das Wetter entscheidet also selten darüber, ob es einen Zündfunken gibt. Es entscheidet darüber, was aus ihm wird: ein verkokeltes Fleckchen Gras oder ein Großbrand, der tagelang Feuerwehren bindet.

Der Waldbrandgefahrenindex: Wetterdaten als Frühwarnung

Genau hier kommen wir Meteorologen ins Spiel. Der Deutsche Wetterdienst berechnet täglich den Waldbrandgefahrenindex, kurz WBI. In das Modell fließen die Größen ein, mit denen wir auch sonst täglich arbeiten: Lufttemperatur, relative Luftfeuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlag und die Strahlung der Sonne. Daraus ergibt sich für jeden Ort eine von fünf Gefahrenstufen, von Stufe 1 (sehr geringe Gefahr) bis Stufe 5 (sehr hohe Gefahr).

Das Besondere daran: Der Index beschreibt nicht nur den Ist-Zustand, sondern lässt sich mit den Vorhersagemodellen mehrere Tage in die Zukunft rechnen. Landesbehörden und Feuerwehren können so schon vorab entscheiden, wann Beobachtungsflüge starten, Löschteiche kontrolliert werden oder ein Grillverbot ausgesprochen wird. Der Index wird zudem laufend weiterentwickelt und bildet inzwischen auch die mikroklimatischen Bedingungen im Wald genauer ab, also etwa den Unterschied zwischen einem schattigen Buchenbestand und einer sonnenexponierten Kiefernschonung.

Aus meteorologischer Sicht ist das ein schönes Beispiel dafür, was gute Vorhersagemodelle heute leisten: Aus denselben Modelldaten, aus denen wir Seewetterberichte und Routing-Empfehlungen bauen, lässt sich auch das Brandrisiko im Binnenland abschätzen.

Was heißt das für uns alle?

Für den Wald können wir das Wetter nicht ändern, unser Verhalten aber schon. Wer in trockenen Phasen im Wald oder an der Küste unterwegs ist, sollte die aktuelle Gefahrenstufe kennen, auf offenes Feuer verzichten und das Auto nicht über trockenem Bewuchs abstellen. Und wer von See kommt und sich über den kräftigen auflandigen Wind freut: Genau dieser Wind ist an Land der beste Verbündete eines Feuers.

Die Wettermodelle liefern die Frühwarnung. Was wir daraus machen, liegt bei uns.